Muss ein Auto heute noch mir gehören?
Folge 2:
Zweiter Teil: Bar bezahlen, finanzieren oder leasen? Maria und Belinda Erkner erklären diesmal in unserer Serie „Tacho Tacheles“, warum bei der Anschaffung eines Fahrzeuges nicht nur Preis und Monatsrate entscheiden, sondern auch Eigentum, Liquidität und Lebenssituation.
Wenn ich bar bezahle, bekomme ich automatisch Rabatt?
Belinda Erkner: Nein, das ist nicht mehr automatisch so. Hersteller unterstützen häufig Finanzierungen oder Leasingangebote und geben dort höhere Nachlässe.
Maria Erkner: Barkauf hat trotzdem klare Vorteile: Das Auto gehört mir sofort, ich zahle keine Zinsen und kann frei über Nutzung und Haltedauer entscheiden.
Wo liegt der Nachteil?
Belinda: Ich binde viel Kapital in einem Gegenstand, der direkt an Wert verliert. Dieses Geld fehlt dann als Rücklage oder für andere Investitionen.
Maria: Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten: „Kann ich das Auto bar bezahlen?“, sondern auch: „Ist es wirtschaftlich sinnvoll?“ Rendite, Risiko und Finanzierungskosten muss man ehrlich vergleichen.
Für wen passt Barzahlung?
Belinda: Für Menschen, denen Eigentum wichtig ist, die ausreichend freie Rücklagen haben und das Auto lange fahren möchten. Auch bei Umbauten oder Tuning ist Eigentum meist sinnvoll.
Bin ich mit einer Finanzierung flexibler?
Maria: Ja, weil ich nicht sofort den gesamten Kaufpreis einsetze und am Ende Eigentümer werden kann. Der Vertrag muss aber genau geprüft werden.
Belinda: Niedrige Monatsraten entstehen oft durch eine höhere Schlusszahlung. Je nach Vertrag kann ich diese bezahlen, weiterfinanzieren oder das Fahrzeug in Zahlung geben. Das ist die typische 3-Wege-Finanzierung.
Maria: Bei einer Weiterfinanzierung gilt größtenteils ein neuer Zinssatz. Deshalb nicht nur fragen: „Wie niedrig ist meine Rate?“, sondern auch: „Was bleibt am Ende offen?“
Was passiert bei Krankheit oder Jobverlust?
Maria: Ein Kreditschutzbrief oder eine Leasingratenversicherung kann unter bestimmten Bedingungen helfen. Wichtig ist aber das Kleingedruckte: Was ist versichert, wie lange wird gezahlt und welche Ausschlüsse gelten?
Beim Leasing zahle ich und am Ende gehört mir nichts?
Maria: Genau. Leasing ist vereinfacht gesagt eine Art Dauermiete. Ich bezahle für die Nutzung über einen festen Zeitraum, nicht dafür, Eigentümer zu werden.
Belinda: Dafür fahre ich ein aktuelles Fahrzeug, meist innerhalb der Garantie, mit planbaren Kosten und gebe es am Ende zurück.
Wird die Rückgabe nicht teuer?
Maria: Diese Sorge hören wir oft. Entscheidend ist ein transparenter Schadenskatalog. Normale Gebrauchsspuren sind etwas anderes als echte Schäden.
Belinda: Deshalb sollte man sich die Rückgaberegeln schon beim Vertragsabschluss erklären lassen. Mehrkilometer werden berechnet, Minderkilometer je nach Vertrag erstattet. Wer seine Fahrleistung kaum planen kann, ist mit einer Finanzierung oft flexibler.
Ist Leasing günstiger als Finanzierung?
Maria: Das kann so wirken, weil Hersteller Leasingmodelle oft stark unterstützen.
Belinda: Entscheidend bleibt die Gesamtrechnung: Sonderzahlung, Monatsraten, Kilometer, Service, Rückgabe.
Ist eine hohe Sonderzahlung sinnvoll?
Belinda: Meist ist keine oder nur eine kleine Sonderzahlung flexibler. Bei einer Dauermiete viel Geld vorab einzusetzen, sollte gut überlegt sein.
Maria: Wichtig ist auch die GAP-Versicherung. Denn sie schützt bei Diebstahl oder Totalschaden vor der Lücke zwischen offener Leasingforderung und Wiederbeschaffungswert.
Lohnt sich Leasing nur für Firmenkunden?
Belinda: Nein, das stimmt heute nicht mehr. Leasing passt auch für Privatkunden, die planbare Kosten möchten und regelmäßig ein aktuelles Fahrzeug fahren wollen.
Maria: Gerade technikbegeisterte Kunden profitieren davon, ein Auto nur zwei bis vier Jahre zu fahren. Viele Vorteile, die früher vor allem Geschäftskunden angesprochen haben, sind heute auch privat interessant.
Belinda: Aber Leasing passt nicht zu jedem. Wer Eigentum aufbauen, das Auto sehr lange fahren oder seine Kilometer kaum planen möchte, sollte Finanzierung oder Barkauf prüfen.
Welche Kaufart ist nun die richtige?
Belinda: Die Lösung muss zur Lebenssituation passen. Zwei bis vier Jahre sprechen eher für Leasing, fünf bis acht Jahre eher für Finanzierung und acht Jahre oder mehr können für Barzahlung sprechen.
Maria: Dazu kommen Fragen: Ist Eigentum wichtig? Wie wichtig ist Liquidität? Wird das Auto privat oder gewerblich genutzt? Sind die Kilometer planbar?
Belinda: Die wichtigste Frage lautet nicht: „Welche Rate kann ich mir leisten?“ Sondern: „Wie möchte ich in den nächsten Jahren mobil sein?“
Wir danken für das Gespräch.
Geschäftsführer-Geschwister: Belinda Erkner (links) und Maria Erkner reden „Tacho Tacheles“ im Interview. Foto: Nicole Klose